Gemeinsam für mehr Vielfalt

von Juliane Marquardt

Mit dem KulTourMobil unterwegs in Berlin

Wir machen Kultur mobil


Gemeinsam mit Künstler*innen und Expert*innen aus unterschiedlichen außereuropäischen Ländern, sowie unzähligen jugendlichen Teilnehmer*innen wurden in den letzten Monaten Bildungskoffer zu aktuellen Themen aus den Bereichen Migration und Integration erarbeitet, mit zahlreichen informativen, spielerischen und kreativen Methoden aufbereitet, erprobt und weiterentwickelt. Mit diesen Koffern im Gepäck ist das KulTourMobil mittlerweile in ganz Berlin unterwegs — auf Schulhöfen, in Freizeiteinrichtungen, Vereinen und Familienzentren, auf Spielplätzen, Projektwochen sowie Straßen- und Sommerfesten. Da wird gemalt und gebastelt, gespielt und getanzt, gefilmt und fotografiert – und dabei ein Bild von kultureller Vielfalt vermittelt, das zum Mitmachen einlädt und sehr viel Spaß bringt.
In Schulen und Vereinen tragen die Bildungsveranstaltungen dazu bei, für die Themen Migration, Integration und kulturelle Vielfalt zu sensibilisieren und neue Erfahrungsräume zu schaffen. Gleichzeitig wird den Jugendlichen Gelegenheit gegeben, ihre eigenen Ideen und Erfahrungen einzubringen und so den Dialog mitzugestalten.

Woher kommt eigentlich der Gartenzwerg?*

Ein Spiel, das immer wieder aufs Neue begeistert, ist das Quiz „Migrationsgeschichten unserer Kultur“, bei dem die Jugendlichen gemeinsam herausfinden sollen, welche Migrationsgeschichte einzelne Gegenstände, Nahrungsmittel oder Bräuche haben, die wir heute als typisch Deutsch, Französisch, Amerikanisch, Türkisch etc. zu kennen glauben. Woher kommt das Croissant? Wo wurde der Fernseher erfunden? Und wem verdankt die Jeans ihren Namen? Diese und ähnliche Fragen geben den Jugendlichen Gelegenheit, sich über eigene kulturelle Erfahrungen auszutauschen, vermeintlich Bekanntes mit anderen Augen zu sehen und die Chancen zu erkennen, die interkultureller Austausch mit sich bringt.

 

 

Ich packe meinen (Heimat-) Koffer …

Die Inhalte eines der Bildungskoffer setzen sich mit dem Thema „Heimat(en)“ in Bezug auf (bi-)kulturelle Identität(en) auseinander. Mittels verschiedener Spiele wie dem „Kontinente-Länder-Puzzle“ oder dem Memory „Kultur- und Heimatschätze unserer Welt“ beschäftigen sich die Jugendlichen mit möglichen Gründen, die eigene Heimat zu verlassen und stellen Fragen wie „Was ist Heimat für mich?“ und „Kann es mehr als eine Heimat geben?“ Dabei sind den
Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit diesem komplexen Themenfeld keine Grenzen gesetzt, im Gegenteil: Die Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, über mediale Ausdrucksweisen wie Trickfilm, Hörspiel oder Fotografie eigene Herangehensweisen zu schaffen und sich kreativ auszutoben.
Ziel dieser intensiven Auseinandersetzung ist es, den positiven Umgang mit dem Neuen und der Vielfalt zu stärken und so dazu zu ermutigen, das eigene direkte Umfeld aktiv mitzugestalten. Toleranz und Vorurteile Was sind Vorurteile und wie entstehen sie? Ist ein Leben ohne Vorurteile überhaupt möglich? Wie gehen wir mit ihnen um? Mit Hilfe von Rollenspielen, Bildergeschichten, einem Vorurteile-Quartett und dem Eigenschaften-Baukasten nähert sich der Bildungskoffer dem Begriff und der Entstehung von Vorurteilen und den Umgang mit ihnen an. Aufgrund der eigenen Migrations- und Integrationsgeschichten können die in die Arbeit des KulTourMobils mit einbezogenen Künstler*innen den Jugendlichen näherbringen, wie Menschen in anderen Ländern leben und mit welchen Traditionen und Bräuchen sie aufwachsen. Sie erzählen Anekdoten aus ihren Herkunftsländern, sprechen über Vorurteile und darüber, wie sich unsere Kultur ständig verändert. Dabei werden vor allem traditionelles Kunsthandwerk und ländertypische Spiele und Aktivitäten genutzt, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. So basteln sie gemeinsam mit der israelischen Künstlerin Yam Glücksketten im jüdischen Kunststil Judaica, während sie mit ihnen über kulturelle Unterschiede und ihre persönlichen Umzugserfahrungen von Israel nach Berlin spricht. Mit dem bildenden Künstler Ercan malen die Jugendlichen „Bilder der Toleranz“ und sprechen über ihre kulturellen Wurzeln. Ebenfalls sehr beliebt ist das „Lotería-Spiel“, mit dem die Mexikanerin Claudia die Jugendlichen mit in ihr Heimatland nimmt.

Kulturvielfalt kreativ kennenlernen

Die Koffer können individuell zusammengestellt und je nach Bedarf mit unterschiedlichen Aktivitäten und Bildungskonzepten kombiniert und angefragt werden. Parallel dazu eröffnet das Projekt jungen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen in regelmäßig stattfindenden kreativ-kulturellen Workshops in den Bereichen Kunst, Film, Literatur und Theater die Möglichkeit zum interkulturellen Dialog und gemeinsamen Engagement. So wird auf vielfältige Art und Weise das gemeinsame Engagement junger Menschen gestärkt, der interkulturelle Dialog auf Augenhöhe gefördert und dazu beigetragen, dass kulturelle Vielfalt selbstverständlicher Teil unseres gemeinsamen Alltags wird. Auf www.kultourmobil.de sind alle wichtigen Informationen und Neuigkeiten zum Projekt, sowie fotografische und filmische Einblicke in die Aktivitäten zu finden.

 

*Antworten zu den Fragen:
1. Gartenzwerg: Türkei
2. Croissant: Österreich
3. Fernseher: Russland
4. Jeans: Italien

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